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28Sep
CAD News

20 Jahre DPS: Immer nahe am Kunden

CAD.de im Gespräch mit Manfred Gravius - Firmengründer und heutiger Geschäftsführer von DPS.

Herr Gravius, Sie haben DPS vor 20 Jahren gegründet. Wie war die Situation damals?

Möglicherweise werden sich noch einige Leser daran erinnern: Mitte der 90er Jahre gab es ein gemeinsames Projekt der damaligen Firmen Computervision (Cv) und einem deutschen Automobilhersteller zur Entwicklung eines neuen CAD-Systems inklusive der Funktionalitäten des vorhandenen Flächenkonstruktionssystems. Der Projektname war Pelorus. Dieses Projekt ist gescheitert und wir von Computervision fielen erst einmal in ein tiefes Loch. Wir hatten vier Jahre an diesem Projekt gearbeitet und dann war plötzlich Schluss! Unsere Motivation war bei Null.

Das war der Auslöser, etwas Neues zu beginnen?

Das kann man so sagen. Schon im Rahmen dieses Projekts hatte ich Leute kennengelernt, die später zum Solidworks-Team gehörten. Auf der Hannover Messe 1996 wurde dann Solidworks vorgestellt, einer meiner Kollegen hat es dort gesehen und begeistert darüber berichtet. Dadurch wurde ich neugierig auf dieses ganz neue System unter Windows, habe mich mit Solidworks in Verbindung gesetzt und wurde daraufhin zu einer Schulung im Mai ´96 eingeladen.
Von dem Moment an war ich begeistert von Solidworks und ich bin es heute noch. Die Schulungsteilnehmer haben einige Disketten mit nach Hause bekommen - so auch ich - und konnten das System ausprobieren. Ich hatte einen Windows-PC daheim, mit dem Betriebssystem, Windows 3.11, auf dem Solidworks aber lief.

Ihr Eindruck damals?

Mein Eindruck war so, dass ich erkannt habe: Dass ist ein CAD-System für die Zukunft. Ich war ja bei Cv über 11 Jahre im Support tätig. Wusste also, wie die bis dato führenden CAD-Systeme aufgebaut waren und wir sie sich bedienen ließen.
Solidworks, das kann man heute sagen, stellte einen Paradigemen-Wechsel dar. Es war eine Applikation, die für Windows entwickelt wurde, mit allen den guten und fortschrittlichen Eigenschaften, die Windows eben erlaubte. Den Doppelklick zum Beispiel gab es vorher nicht in der CAD-Welt. Ich konnte jetzt plötzlich im Betriebssystem einen Doppelklick auf eine Datei machen und meine Applikation fuhr hoch. Ähnlich war es mit Drag & Drop. Plötzlich konnte man ein Geometrieelement anklicken, kopieren und woanders wieder einsetzen. Geradezu sensationell war es, dass man nun Solidworks-Objekte in Word einbinden konnte, und wenn sich das Objekt in Solidworks geändert hat, dann hat es sich auch bei Word aktualisiert. Alles Dinge, die man vorher nicht kannte und welche die Bedienung sehr einfach machten. Ein anderer Punkt war der, dass die Firma Solidworks von Anfang an auf eine indirekte Vermarktung setzte.
Dadurch hatten die bald hunderte von Händlern rund um den Erdball und wurden sehr schnell geschäftlich erfolgreich.
Da waren viele Leute von Computervision mit dabei, von PTC und auch Autocad-Reseller haben gewechselt - Personal, welches sich mit dem Thema gut auskannte.

Und haben Sie 1997 als „Ein-Mann-Betrieb“ begonnen?

Das war bereits 1996 zum 01. Juli. Mein erster Mitarbeiter war bald Dr. Marcus Knieps, unser heutiger Geschäftsführer Service. Er kam im Oktober 1996. Im Frühjahr darauf kamen zwei weitere Cv-Kollegen hinzu, nämlich Peter Miklitza und Jürgen Zimmer. Beide Vertriebsprofis hoher Graden.
Die Gründung der DPS Software GmbH erfolgte daraufhin am 28.02.1997. Teilhaber waren, neben den beiden genannten Kollegen und mir, auch noch zwei Professoren aus Essen. Dann ging es mit dem Geschäft richtig los. Es stiegen nun auch größere Firmen bei uns ein, die nicht nur eine Lizenz, sondern gleich mehrere gekauft haben. Firmen, wie z.B. Solo Kleinmotoren oder AMF; ein ganz großer Auftrag kam von der ABB, die gleich 40 Lizenzen kauften.

Wer war der allererste Kunde?

Das war Richard Eppler, vorher Konstrukteur in einer Stuhlfabrik. Der hat sich damals selbständig gemacht, suchte ein CAD-System und wurde bei Solidworks fündig. Er war damit nicht nur unser erster Kunde, sondern sogar von Solidworks in Deutschland insgesamt. Er arbeitet heute noch damit und ist ein ganz loyaler DPS-Kunde.

Vom Ausgangspunkt der Gründung der DPS Software GmbH in 1997, was waren die wichtigen Meilensteine?

Der erste wichtige Meilenstein war, den Vertrieb aufzubauen und eigene Geschäftsstellen zu eröffnen. Daraus resultierten eine größere Kundennähe und kürzere Reisezeiten und ein flächendeckender Service. Ein zweiter Meilenstein war der Aufbau eigener ergänzender Software-Pakete. Der Kunde wollte einfach mehr als Solidworks bieten konnte, etwa in Hinsicht auf Datenverwaltung, NCBearbeitung oder Berechnung. Die eigene Programmierabteilung hat uns oft weitergeholfen, denn Customizing und Anpassung wurde von vielen Kunden gewünscht.

Im CAM-Bereich haben Sie am Anfang sowohl CAMWorks als auch Solidcam im Vertrieb gehabt, sind bald aber fest auf Solidcam umgestiegen. Wie kam das?

Wir hatten in der Tat zunächst CAMWorks im Programm. Aufgrund bestimmter technischer Unzulänglichkeiten sind wir aber umgestiegen. CAMWorks war auch eine schöne Applikation, war damals aber doch weitestgehend auf die 2,5 Achs und einfach 3 Achs-Bearbeitungen beschränkt. Der genannte Kunde wollte und brauchte aber mehr. Wir mussten dann die verkauften Lizenzen zurücknehmen und haben sie daraufhin durch Solidcam ersetzt. Das brachte den gewünschten Erfolg. Der Kunde ist heute noch ein zufriedener Solidcam-Anwender und hat seine Applikation deutlich ausgebaut. Also, dass wir beide CAM-Systeme parallel angeboten haben, das hat nur einige Monate gedauert, danach war die Sache bereinigt.

Und CAM - mit Solidcam - wurde zu einem starken Standbein?

Das kann man wohl sagen. Unser CAM-Team hat 25 Mitarbeiter, die aktuell rund 750 Kunden betreuen. Ich denke, wir sind stärker als jeder andere Reseller in diesem Umfeld - auch außerhalb von Solidworks.

Die Software Solidworks hat ja im Laufe der Zeit immer mehr Facetten bekommen, bis jetzt hin zu Solidworks Electrical und PCB. Konnten Sie dem immer folgen?

Ja, auf jeden Fall. Es war zwar immer wieder eine Herausforderung, das was Solidworks an Neuerungen brachte, in der Kundenbasis zur Anwendung zu bringen. Durch viele Veranstaltungen, bei denen die Kunden im Detail über die neuen Möglichkeiten und deren Nutzen informiert wurden, ist es aber gelungen.

DPS ist in den letzten Jahren noch in ganz andere Bereiche hineingegangen, ERP ist einer davon, Konstruktion und NC-Programmierung für die holzverarbeitende Industrie ein anderer. Hat sich das für Sie ausgezahlt?

Unbedingt. In welcher Branche wir mit Solidworks auch unterwegs waren, hat der Kunde stets eine Branchenlösung gesucht. Das konnte nicht immer mit Solidworks allein realisiert werden. Also haben wir noch andere Software-Pakete dazu genommen. Wir haben immer geschaut, was brauchen die Kunden und was gibt es auf dem Markt, um deren Anforderungen zu erfüllen und deren Produktivität zu erhöhen. Das war von Anfang an unsere Sichtweise und hat sich ausgezahlt. Solche integrierten Lösungen aus einer Hand anzubieten, darin sehe ich auch unsere Zukunft. Dieser Leitgedanke trägt uns weiter.

Im Jahr 2008 ging ihr Partner Peter Miklitza in Pension und hat seine Firmenanteile an die NTR, Nicole und Thomas Rubbe, verkauft und Dr. Rubbe war dann zunächst Investor, später auch Geschäftsführer von DPS. Kamen dadurch neue Farben ins Spiel?

Natürlich, seit der Zeit hat sich schon was verändert. Thomas Rubbe brachte noch ein ganz anderes Know-How, welches er aus Tätigkeiten bei Großunternehmen - zuletzt als Vorstandsmitglied bei Festo AG - erworben hat, mit zu uns. Damit begann in gewisser Weise ein neuer Weg u. a. hin zu ERP. Wir haben uns für das System von „Sage“ entschieden. Das haben wir zunächst bei uns selbst im Unternehmen getestet und als wir sicher waren, gingen wir damit an den Markt. Bald danach erfolgten Zukäufe von schon etablierten Sage-Händlern, so dass wir schnell gewachsen sind. Mittlerweile haben wir 150 Mitarbeiter allein für das Thema ERP. Das ist eben maßgeblich das Werk von Dr. Rubbe. Ich für mich allein hätte das wahrscheinlich nicht gemacht. Es hat uns also gut getan, bei DPS einen Partner zu haben, der aus einer ganz anderen Ecke kommt. Ich denke, dass diese breitere Aufstellung uns auch in den Zeiten der digitalen Transformation weiterhilft. Die Märkte sind da und wir sind bereit, entsprechend zu investieren. Hierzu möchte ich noch anmerken, dass wir stets alles was wir erwirtschaftet haben wieder ins Unternehmen investierten. Da sind wir uns in der Geschäftsleitung immer einig gewesen. In diesem Sinn ist noch kein Ende in Sicht.

Zwischenstand: Rund 450 Mitarbeiter und 28 Niederlassungen?

So ist es.